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Selbsthilfe bei chronischen Schmerzen – was Betroffene unterstützen kann

Wenn der Schmerz zum ständigen Begleiter wird, verändert sich das gesamte Leben. Was oft als akutes Warnsignal des Körpers beginnt, kann sich mit der Zeit verselbstständigen und das körperliche und seelische Wohlbefinden massiv beeinträchtigen. Viele Betroffene haben bereits eine lange Odyssee hinter sich und stellen sich die bange Frage: „Wird das jemals wieder aufhören?”

Wir vom Krankenhaus für Naturheilweisen wissen aus unserer täglichen Arbeit mit Schmerzpatienten: Sie sind diesem Zustand nicht hilflos ausgeliefert. Auch wenn chronische Schmerzen komplex sind, gibt es wirksame Strategien der Selbsthilfe, mit denen Sie aktiv Ihr Schmerzempfinden beeinflussen können. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, wie Sie Ihren „inneren Werkzeugkasten“ füllen, um Schritt für Schritt mehr Lebensfreude und Mobilität zurückzugewinnen.

Selbsthilfe beginnt mit Wissen: Das Schmerzgedächtnis verstehen

Um chronische Schmerzen zu lindern, muss man zunächst verstehen, dass sie anders funktionieren als akute Verletzungen. Während akute Schmerzen uns vor einer Gefahr warnen (wie die heiße Herdplatte), hat der chronische Schmerz seine Warnfunktion verloren. Er ist zu einer eigenständigen Krankheit geworden.

Unser Nervensystem ist lernfähig – leider auch im negativen Sinne. Werden über Monate oder Jahre hinweg immer wieder Schmerzsignale an das Gehirn gesendet, werden die beteiligten Nervenzellen empfindlicher. Sie feuern schneller und intensiver, selbst wenn die ursprüngliche Ursache längst verheilt ist. Mediziner sprechen in diesem Fall vom Schmerzgedächtnis.

Die gute Nachricht: Das Gehirn kann auch „umlernen“. Genau hier setzt die Selbsthilfe an. Da das Schmerzgedächtnis durch wiederholte Reize entsteht, kann es durch neue, positive Erfahrungen auch wieder beeinflusst werden. Dadurch helfen Sie Ihrem Gehirn aktiv dabei, die Schmerzschwelle wieder nach oben zu setzen. In unserer Klinik beobachten wir täglich, wie Patienten durch dieses Wissen den ersten Schritt aus der Passivität finden.

Chronische Schmerzen: Selbsthilfe-Tipps für Betroffene

Wir wissen, wie herausfordernd der Alltag mit chronischen Schmerzen sein kann. Wenn Sie aktiv etwas dagegen unternehmen möchten, gibt es verschiedene Möglichkeiten: von Bewegung über Achtsamkeit bis hin zum Austausch mit Gleichgesinnten. Im Folgenden stellen wir Ihnen eine Reihe von Selbsthilfestrategien vor. Bitte beachten Sie, dass nicht jede Strategie zu jeder Person passt und Sie selbst für sich herausfinden dürfen, was Ihnen gut tut. Die Strategien sind außerdem nicht als Ersatz für eine medizinische Behandlung gedacht, sondern als ergänzende Unterstützung.

Selbsthilfegruppen: Die Kraft der Gemeinschaft nutzen

Chronische Schmerzen führen oft zu sozialer Isolation, da Außenstehende die unsichtbare Belastung nur schwer nachempfinden können. In einer Selbsthilfegruppe treffen Sie auf Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Dieser Austausch bietet emotionale Entlastung und wertvolle praktische Tipps für den Alltag. Das Gefühl, mit der Erkrankung nicht allein zu sein, reduziert den psychischen Stresspegel erheblich, was sich wiederum positiv auf die Schmerzwahrnehmung auswirken kann.

Tipp: Einen Überblick über Selbsthilfegruppen in Deutschland finden Sie bei der NAKOS. Sie vernetzt Interessierte, Betroffene und Angehörige und versorgt sie mit notwendigen Informationen. Sie können dort selbstständig und unkompliziert nach Selbsthilfegruppen zum Thema Schmerz suchen.

Entspannungstechniken: Das Nervensystem beruhigen

Bei Schmerzen reagiert unser Körper mit Anspannung. Diese Verspannung verstärkt jedoch den Schmerz, wodurch ein Teufelskreis entsteht. Techniken wie die Progressive Muskelentspannung, das Autogene Training oder gezielte Atemübungen können Ihnen dabei helfen, diesen Kreislauf zu durchbrechen. Durch regelmäßiges Training signalisieren Sie Ihrem vegetativen Nervensystem, dass es vom „Alarm-Modus” in den „Entspannungs-Modus” schalten darf. Viele unserer Patienten nutzen diese Methoden erfolgreich, um Schmerzspitzen im Alltag besser abzufangen.

Webinar-Tipp: Das vegetative Nervensystem - Wege zum inneren Gleichgewicht

Unser vegetatives Nervensystem (auch autonomes Nervensystem genannt) steuert zahlreiche unbewusste Körperfunktionen wie z. B. Herzschlag, Blutdruck und Verdauung. Damit beeinflusst das vegetative Nervensystem unser Wohlbefinden maßgeblich und entscheidet darüber, wie unser Körper mit Stresssituationen umgeht. In diesem Webinar erfahren Sie, wie Sie durch gezielte Atemtechniken, Bewegungen und Achtsamkeit Ihr Nervensystem regulieren und innere Balance finden können. Sie erhalten wertvolle Impulse für mehr Entspannung, Resilienz und ein besseres Körpergefühl.

Bewegung: Sanfte Aktivität einbauen

Paradoxerweise ist Schonung bei chronischen Schmerzen oft kontraproduktiv, da sie zu Muskelschwund und noch mehr Steifheit führen kann. Das Ziel der Selbsthilfe ist daher die „Low-Impact“-Bewegung. Sportarten wie Yoga, Nordic Walking oder Qigong fördern die Durchblutung und setzen Endorphine frei, die wie natürliche Schmerzmittel wirken. Wichtig ist dabei das Prinzip der kleinen Schritte. Überfordern Sie sich nicht, sondern finden Sie ein Maß an Aktivität, das Ihnen Freude bereitet und Ihren Körper mobilisiert, ohne ihn zu belasten.

Schmerzbewältigungstraining: Mentale Kraft stärken

Ein wesentlicher Teil der Selbsthilfe findet im Kopf statt. Beim Schmerzbewältigungstraining lernen Sie, Ihre Aufmerksamkeit aktiv zu lenken. Anstatt sich auf den Schmerz zu fokussieren, trainieren Sie Achtsamkeitspraktiken wie MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction), um eine distanziertere Haltung zu den Beschwerden zu entwickeln. Das Ziel besteht nicht darin, den Schmerz „wegzuzaubern“, sondern ihm den dominanten Platz in Ihrem Leben zu nehmen. Je weniger Raum die Angst vor dem Schmerz einnimmt, desto höher wird Ihre Belastbarkeit im Alltag.

Ernährung und Lebensstil: Entzündungsprozesse hemmen

Was wir essen, beeinflusst, wie wir uns fühlen. Eine antientzündliche Ernährung, die reich an Omega-3-Fettsäuren (zum Beispiel in Leinöl oder Fisch enthalten) sowie an frischem Gemüse und arm an raffiniertem Zucker ist, kann dazu beitragen, die allgemeine Schmerzempfindlichkeit des Körpers zu senken. Ebenso wichtig ist eine gute Schlafhygiene: Während wir schlafen, regeneriert sich das Nervensystem. Wenn Sie auf einen geregelten Schlafrhythmus achten (z. B. durch eine gesunde Abendroutine) und auf Genussmittel wie Nikotin oder übermäßigen Alkoholkonsum verzichten, schaffen Sie die biologische Basis für eine erfolgreiche Schmerzlinderung.

Webinar-Tipp: Ernährung bei chronischen Schmerzen

Das Team der multimodalen Schmerztherapie informiert über das Krankheitsbild „Chronische Schmerzen“. Joachim Heinze, Küchenchef des KfN, erläutert in seinem Vortrag, wie eine ausgewogene Ernährung im Rahmen der Multimodalen Schmerztherapie helfen kann.

Hilfe zur Selbsthilfe: Die Spezielle Schmerztherapie im KfN

Trotz größter Eigenbemühungen gibt es Momente, in denen die Odyssee durch Arztpraxen und die tägliche Belastung durch den Schmerz zu viel werden. Wenn der Schlaf nicht mehr erholsam ist, die Nebenwirkungen von Medikamenten überwiegen und die Lebensfreude unter der ständigen Schmerzerfahrung leidet, ist es Zeit für professionelle Unterstützung. Das KfN in München steht Ihnen dabei gerne zur Seite.

Stationäre Schmerztherapie in München

In unserer Sektion für Schmerztherapie arbeiten wir nach dem bio-psycho-sozialen Modell. Das bedeutet, dass wir Sie als Einheit aus Körper, Seele und sozialem Umfeld betrachten. Da chronischer Schmerz oft tief im Gehirn vernetzte Spuren hinterlässt, setzen wir auf den Goldstandard der modernen Medizin: die interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie (IMST). In diesem Rahmen arbeitet ein Team aus Spezialisten der Medizin, Psychotherapie, Physiotherapie sowie der naturheilkundlichen Pflege und Ernährungsmedizin Hand in Hand an Ihrem Behandlungserfolg.

Unsere gemeinsamen Behandlungsziele für Sie:

  • Verbesserung der Lebensqualität 
  • Verbesserung der Leistungsfähigkeit 
  • Rückkehr in einen geregelten Alltag 
  • Rückkehr ins Berufsleben 
  • Steigerung der körperlichen und sozialen Aktivität 
  • Förderung von Selbstständigkeit und Selbstwirksamkeit 
  • Ein erfülltes Leben – auch mit Schmerzen

Schmerzmedizin trifft Naturheilkunde

Was unsere Therapie in München einzigartig macht, ist die Verbindung von wissenschaftlich fundierter Schmerzmedizin mit bewährten Naturheilverfahren. Unser Ziel ist eine „erlesene Hilfe zur Selbsthilfe“. Die insgesamt drei Therapiewochen erstrecken sich jeweils über acht Tage. Die Zeiträume zwischen den stationären Aufenthalten dienen dazu, Ihre persönlichen Fortschritte in Ihren individuellen Alltag zu integrieren. Die drei jeweils achttägigen stationären Therapieblöcke sind inhaltlich aufeinander abgestimmt und curricular aufgebaut. 

Auszug aus dem individuellen Behandlungskonzept:

  • Einzel- und Gruppentherapien durch die unterschiedlichen Fachdisziplinen 
  • Feste Zeiten zum Einüben des Erlernten während der stationären Aufenthalte 
  • Ärztliche und psychologische Einzelgespräche 
  • Entspannung, Achtsamkeit, Genusstraining 
  • Individuelle Körpertherapien 
  • Ausdauertraining, Körperwahrnehmung, Atemtherapie, Somatic Movement, Qigong 
  • Erlernen naturheilkundlicher Verfahren zur Selbstanwendung 
  • Ernährungsmedizinische Vorträge 
  • Kunsttherapie 
  • Waldtherapie

Jetzt mehr erfahren: Interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie im KfN

Die interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie ist eine besondere Art der Schmerzbehandlung. Das Innovative an dieser stationären Schmerztherapie im Krankenhaus für Naturheilweisen ist das Zusammenwirken der konventionellen, wissenschaftsbasierten Schmerzmedizin mit ausgewählten Verfahren aus dem Bereich der Naturheilkunde. Dr. Max Renner gibt in diesem Webinar Einblicke in diese besondere Therapie und informiert über Voraussetzungen, Abläufe und Inhalte.

Wenn die Liebsten leiden: Unterstützung für Angehörige

Chronische Schmerzen betreffen nie nur eine Person allein, sondern verändern das gesamte Familiensystem. Partner, Kinder und Freunde erleben häufig ein Gefühl der Hilflosigkeit, wenn sie mitansehen müssen, wie sich ein geliebter Mensch aufgrund der Schmerzen zurückzieht oder sich in seiner Persönlichkeit verändert. Angehörige stehen häufig vor der Herausforderung, Mitgefühl, Überforderung und den Wunsch, „richtig“ zu helfen, in Einklang zu bringen.

Wie Sie Betroffene am besten unterstützen:

  • Geduldiges Zuhören statt gut gemeinter Ratschläge: Oft ist es hilfreicher, Schmerz einfach anzuerkennen, anstatt Druck zur schnellen Besserung aufzubauen.
  • Aktivität fördern, ohne zu drängen: Unterstützen Sie kleine Fortschritte und laden Sie zu sanften gemeinsamen Unternehmungen ein, die vom Schmerz ablenken.
  • Selbstfürsorge nicht vergessen: Sie können nur eine Stütze sein, wenn Sie selbst gesund bleiben. Nehmen Sie sich Auszeiten und suchen Sie bei Bedarf ebenfalls das Gespräch mit Fachleuten. Auch spezielle Selbsthilfegruppen für Angehörige können Erleichterung bringen.

FAQ zum Thema Selbsthilfe bei chronischen Schmerzen

Bei Schmerzen ist der Hausarzt meist die erste Anlaufstelle. Bei chronischen Verläufen ist jedoch die Überweisung an einen Facharzt für Schmerztherapie entscheidend. Reichen ambulante Maßnahmen nicht mehr aus, bieten spezialisierte Einrichtungen wie das Krankenhaus für Naturheilweisen Hilfe an. Dort arbeitet ein interdisziplinäres Team aus Schmerzmedizinern, Psychotherapeuten und Physiotherapeuten zusammen. Das Ziel dieser stationären Einrichtungen besteht darin, die Schmerzspirale durch eine Kombination aus modernster Medizin und ganzheitlichen Verfahren zu durchbrechen.

Da viele chronische Schmerzprozesse mit Entzündungen im Gewebe einhergehen, kann eine antientzündliche Ernährung die Schmerzintensität positiv beeinflussen. Besonders wertvoll sind Omega-3-Fettsäuren, die beispielsweise in Leinöl, Walnüssen oder Kaltwasserfisch enthalten sind, sowie Antioxidantien, die unter anderem in frischem Beerenobst, Gemüse und Gewürzen wie Kurkuma und Ingwer vorkommen. Im Gegensatz dazu sollten rotes Fleisch, Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel reduziert werden, da sie die Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen fördern können.

Durch die Neuroplastizität des Gehirns ist es möglich, den Schmerz massiv zu lindern und ihn wieder in den Hintergrund treten zu lassen. Mithilfe von Verfahren wie der multimodalen Schmerztherapie lernt das Nervensystem, Schmerzsignale neu zu bewerten. Dadurch erreichen viele Patienten einen Zustand, in dem der Schmerz nicht mehr den Alltag dominiert und die Lebensqualität weitestgehend wiederhergestellt ist.

Schmerz und Psyche sind untrennbar verbunden. Dauerhafte Schmerzen bedeuten Stress für das Gehirn. Dies kann zu Erschöpfung, Reizbarkeit, Ängsten oder Depressionen führen. Die ständige Belastung kann das Selbstvertrauen schwächen und dazu führen, dass sich Betroffene sozial isolieren. Es ist wichtig zu verstehen, dass diese psychischen Folgen eine natürliche Reaktion des Nervensystems auf die Dauerbelastung sind und keine Einbildung. Deshalb ist eine psychologische Mitbetreuung in der Schmerztherapie so wertvoll.

Glück trotz Schmerz ist oft durch eine bewusste Fokusverschiebung möglich. In Ansätzen wie der Achtsamkeitstherapie lernen Betroffene beispielsweise, den Schmerz als Teil ihres Lebens zu akzeptieren, ohne ihn zum Mittelpunkt ihrer Identität zu machen. Wenn man lernt, kleine Erfolge und schöne Momente im Alltag wieder bewusst wahrzunehmen und trotz der Einschränkungen werteorientiert zu handeln, kann sich das Wohlbefinden deutlich verbessern.

Hinweis: Die bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Wissensvermittlung. Sie ersetzen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Therapie durch qualifiziertes Fachpersonal. Bitte wenden Sie sich bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen an Ihren Arzt bzw. Ihre Ärztin.

Autor: Janina Widhammer-Zintl
Erscheinungsdatum: 28. April 2026