Medizinische Tees aus Heilpflanzen
Die kälteren und kalten Jahreszeiten stehen schon wieder vor der Tür, und damit auch die Erkältungszeit. Als einfache wie wirksame Selbsthilfestrategie, um mögliche Erkältungssymptome zu lindern oder diesen idealerweise sogar vorzubeugen, bietet sich der Einsatz von medizinischen Tees an. Allerdings gibt es dabei mehr zu wissen und zu berücksichtigen, als man im ersten Moment vielleicht denkt. Dieser Beitrag soll Ihnen einen kleinen Einblick in die Welt des medizinischen Tees und der Heilpflanzen ermöglichen.

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Was ist ein medizinischer Tee?
Ein Heilpflanzentee ist eine der ältesten Arzneiformen bzw. galenischen Zubereitungen eines Arzneistoffs. Dabei sind Tees nicht nur angenehme und meist schmackhafte, sondern auch hochwirksame Arzneimittel, sowohl hinsichtlich des Gehalts an Inhaltsstoffen als auch deren Bioverfügbarkeit. Medizinische Tees können aus Einzeldrogen oder Teemischungen bestehen. Für jeden einzelnen Krankheitsfall könnte so eine individuell angepasste Rezeptur zusammengestellt werden.
Heilpflanzentees sind gerade für die Selbstmedikation hervorragend geeignet, aber es sollten Beratung oder Fachkompetenz vorausgehen. Voraussetzung für einen wirksamen Arzneitee ist zunächst eine hochwertige, rückstandsarme und möglichst biologisch angebaute Ware. Diese könnte sogar selbst gesammelt werden, was die Möglichkeit der Aufbewahrung als Ganzblattware mit sich bringen würde, damit sich Aromen und andere Wirkstoffe bis zum tatsächlichen Gebrauch so wenig wie möglich abbauen können. So weiß man auch genau, was in seinem Tee tatsächlich drin ist.
Wer die Möglichkeit hat, sollte also im Frühjahr oder Sommer, wenn die benötigten Kräuter erntereif sind, hinaus in die Natur gehen und für die Erkältungszeit vorsorgen. Alternativ können auch getrocknete Kräuter im Bioladen gekauft werden. Dabei ist jedoch darauf zu achten, dass sie nicht kleingehackt und/oder gemörsert worden sind. Tee sollte dunkel, trocken und kühl in dicht verschlossenen Gefäßen aufbewahrt werden. Eine erst möglichst zeitnah zur Teezubereitung weiterverarbeitete Droge ist für eine optimale Wirkstoffkonzentration entscheidend.
Heilpflanzentees richtig zubereiten und genießen
Idealerweise sollte der traditionellen Teezubereitung der Vorzug gegeben werden, d.h. das entsprechende Teekraut wird erst unmittelbar vor dem tatsächlichen Verzehr angesetzt, wobei der heiße Aufguss (Infus) die häufigste Zubereitungsform darstellt. Bei Teemischungen werden in der Regel nicht mehr als 3-5 verschiedene Drogen verwendet, die sich in ihren Wirkungen ergänzen bzw. unterstützen oder auch der optischen oder geschmacklichen Verbesserung dienen sollen. Dabei sollte kein arzneilich wirksamer Inhaltsstoff mit weniger als 10 % in der Mischung enthalten sein. Die Rezeptur ist dabei so zu erstellen, dass die Zubereitung auch sinnvoll erfolgen kann, also Kräuter gewählt werden, die nicht völlig unterschiedliche Zubereitungsmodalitäten erfordern.
Grundlegende Tipps:
- Heilkräutertee idealerweise lauwarm und in kleinen Schlucken zu sich nehmen. Viele Tees wirken ungesüßt besser. Wenn Süßen erlaubt ist, dann am besten nicht mit Zucker, sondern mit Honig oder Ahornsirup süßen (erst dem lauwarmen Tee zugeben).
- Beim Ziehen-Lassen die Teetasse abdecken und die Tröpfchen, die sich dabei auf der Innenseite der Abdeckung bilden, ins Glas laufen lassen. Sie enthalten für die Wirkung erforderliche ätherische Öle.
- Heilkräutertees sind keine Durstlöscher, sondern Phytotherapeutika. Daher nicht durchgehend, sondern höchstens kurmäßig trinken, z. B. drei bis vier Wochen lang einnehmen, dann eine bis zwei Wochen Pause.
- Tee mit Wasser zubereiten, das nicht zu kalkhaltig ist. Ansonsten das Wasser zwei bis drei Minuten lang kochen lassen, damit sich der Kalk etwas absetzt.
- Schwangere sollten Teemischungen mit abführenden, stark anregenden oder harntreibenden Kräutern auf jeden Fall meiden und den Gebrauch von Heilkräutern grundsätzlich ärztlich abklären.
Die 6 besten Rezepturen für medizinische Tees
1. Heilpflanzentee aus Echtem Salbei (Salvia officinalis)
Die medizinische Wirkung von Salbei ist auf zwei wesentliche Wirkprinzipien zurückzuführen – die des ätherischen Öles und die der Gerbstoffe. Das ätherische Öl besteht zu etwa 60 % aus Thujon und wirkt vor allem keimtötend (antiseptisch und fungizid). Die enthaltenen Inhaltsstoffe aus den Gruppen der Gerbstoffe und Flavonoide sind maßgeblich für die antientzündliche und adstringierende Wirkung verantwortlich. Aus diesen Gründen eignet sich medizinischer Salbeitee als antientzündlich wirkende Gurgellösung bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum.
Zudem wirkt er entkrampfend auf den Magen-Darm-Trakt und hemmt die Schweißbildung, weshalb er zum Beispiel auch gegen Nachtschweiß in den Wechseljahren empfohlen wird. Salbeiblätter enthalten auch Bitterstoffe, so dass der Tee weiterhin zur Behandlung von Magen-Darm-Beschwerden geeignet ist.
Zubereitungsmöglichkeiten:
Echter Salbei ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Zubereitung je nach erwünschter Wirkung variieren kann:
- Zubereitung gegen Entzündungen: Pro Tasse zwei Teelöffel zerkleinerte Salbeiblätter mit kochendem Wasser übergießen und zehn Minuten zugedeckt ziehen lassen, dann abseihen und zweimal täglich mit dem abgekühlten Tee gurgeln.
- Zubereitung gegen Nachtschweiß: Drei gehäufte Esslöffel Salbeiblätter in einen Topf mit einem Liter kaltem Wasser geben. Inhalt zum Kochen bringen und drei Minuten lang kochen lassen, dann abseihen und eine Tasse lauwarm morgens trinken, den Rest in eine Thermoskanne füllen und über den Tag verteilt lauwarm trinken.

2. Tee mit Eibisch (Althaea officinalis)
Eibisch pflegt und schützt die Schleimhäute der Atemwege und lindert damit Hustenreiz (v.a. Reizhusten), Entzündungen in Mund, Hals und Rachen, aber auch im Magen-Darm-Bereich. Die Wirkstoffe der Schleimdroge Eibisch legen sich wie ein Schutzfilm auf die Schleimhäute. Je nach verwendetem Pflanzenteil (Blätter, Blüten oder Wurzeln) variieren die Wirkstoffzusammensetzungen und natürlich auch die detaillierten Zubereitungsempfehlungen. Eibisch-Wirkstoffe reagieren empfindlich auf Hitze, deshalb wird oft empfohlen, Eibischtee kalt anzusetzen. So lösen sich die Wirkstoffe besser und der Tee wird “dicker“.
Zubereitungsmöglichkeiten:
- Variante 1: 150 ml Wasser aufkochen und abkühlen lassen, dann zwei Teelöffel Eibischtee-Mischung ein bis zwei Stunden lang abgedeckt ziehen lassen und regelmäßig umrühren, dann abseihen und (aufgewärmt) schluckweise trinken.
- Variante 2: Es ist auch möglich, eine frisch gemörserte Teemischung mit heißem Wasser zu übergießen und zugedeckt 5-10 Minuten ziehen zu lassen, also einen heißen Aufguss herzustellen, dann aber eben mit weniger Wirkstoffgehalt.
Tipp: Der in Eibisch ebenfalls enthaltene Rohr- und Invertzucker verleiht dem Tee einen natürlichen süßlichen Geschmack, pro Tag sollten etwa drei Tassen getrunken werden, jeweils frisch zubereitet.
3. Medizinischer Tee aus Spitzwegerich (Plantaginis lanceolate folium)
Der Spitzwegerich-Arzneitee ist ein bewährtes Mittel zur Behandlung von Atemwegserkrankungen mit trockenem Reizhusten sowie bei entzündlichen Veränderungen der Mund- und Rachenschleimhaut. Äußerlich kann er bei Entzündungen der Haut angewendet werden. Zu seinen Inhaltsstoffen zählen Schleimstoffe, aber auch Kieselsäure, Flavonoide, Gerbstoffe, Bitterstoffe sowie noch weitere Stoffe, wie die sogenannten Phenolcarbonsäuren. Spitzwegerich-Tee wird mit den Blättern der Pflanze zubereitet.
Zubereitungsempfehlung:
Für einen Aufguss können beispielsweise zwei Teelöffel des Tees mit einem viertel Liter heißem Wasser (ca. 80 °C) angesetzt werden, dann zehn Minuten ziehen lassen und abseihen. Da die Schleimstoffe aber eher hitzeempfindlich sind, finden sich auch verschiedene Rezepte für einen kalten Ansatz. Für einen angenehmeren Geschmack und zur Wirkungsverstärkung ist es empfehlenswert, den Tee mit Honig zu süßen. Es werden drei Tassen auf den Tag verteilt empfohlen, jeweils frisch zubereitet.

4. Arzneitee mit Sonnenhut (Echinacea):
Drei Echinacea-Arten werden als Heilpflanze genutzt (Echinacea angustifolia, purpurea und pallida). Die Inhaltsstoffe steigern die körpereigenen Abwehrkräfte, indem sie das unspezifische Immunsystem des Körpers stimulieren. Dementsprechend findet Echinacea-Tee Anwendung bei Erkältungskrankheiten, grippalen Infekten und dergleichen, in der Erkältungszeit auch prophylaktisch. Wegen der (erwünschten) Immunstimulation sollten Patienten, die unter Autoimmunkrankheiten leiden, wie z. B. rheumatoider Arthritis oder multipler Sklerose, oder die organtransplantiert sind, Echinacea nicht verwenden.
Echinacea wird in der Blütezeit geerntet und danach frisch und direkt weiterverarbeitet, denn die wertvollen Wirkstoffe (ätherische Öle, Polyphenole, Alkamide und Polysaccharide) werden beim Trocknen mit der Zeit unwirksam. Kommt die Echinacea aber beispielsweise frisch aus dem Garten, lässt sich damit ein wirksamer Tee aufgießen.
Zubereitungsempfehlung:
Um sich die Inhaltsstoffe zu Nutze zu machen, empfiehlt es sich, die Blütenblätter abzuzupfen oder das Kraut zu zerkleinern und dieses mit heißem Wasser aufzugießen, beispielsweise einen halben Teelöffel Kraut pro Tasse, die Ziehzeit sollte etwa 10 Minuten betragen. Äußerlich kann der Tee bei schlecht heilenden, oberflächlichen Wunden hilfreich sein.
5. Lindenblütentee (Tiliae officinalis):
Die Wirkungen dieses Tees sind aufgrund seiner Inhaltsstoffe sehr vielseitig. Das Besondere an ihnen ist, dass sie eine Kombination aus ätherischen Ölen, Flavonoiden, Schleim- und Gerbstoffen enthalten. Lindenblütentee wird vor allem eingesetzt, um die Abwehrkräfte zu stärken und grippalen Infekten vorzubeugen bzw. Symptome wie Fieber und/oder Husten zu lindern. Aufgrund seiner Inhaltsstoffe wirkt er vor allem antimikrobiell, antibakteriell und entzündungshemmend, darüber hinaus auch krampflösend, schleimlösend und fiebersenkend. Gegen Husten und Schnupfen kann er auch gut inhaliert werden.
Zubereitungsempfehlung:
Für eine Tasse Lindenblütentee benötigt man ca. 250 Milliliter heißes Wasser, mit welchem man zwei Teelöffel frische oder einen Teelöffel getrocknete Blüten aufgießt. Dieser Aufguss muss nun ca. fünf bis zehn Minuten lang abgedeckt ziehen. Anschließend kann man den Tee durch ein Sieb geben, um die Pflanzenteile zu entfernen – oder diese auch einfach in der Tasse belassen und nachziehen lassen, je nach individueller Vorliebe. Zur Behandlung werden drei bis vier Tassen pro Tag empfohlen. Den Geschmack kann man mit Zitronensaft und Honig wunderbar abrunden. Wenn man Lindenblütentee bei Fieber einnehmen will, ist es ratsam, diesen so heiß wie möglich zu trinken. Auf diese Weise wird der schweißtreibende Effekt noch verstärkt.

6. Heilpflanzentee mit Ingwer (Zingiber)
Ingwer stärkt das Immunsystem, wirkt antientzündlich und hilft gegen Übelkeit. Die Schärfe des Ingwers entsteht durch die sogenannten Oleoresine oder Scharfstoffe. Je nach Zustand des Ingwers – frisches Rhizom, getrocknet oder gekocht – bildet ein anderer Scharfstoff den Hauptanteil, wodurch sich in erster Linie die Schärfe, aber auch der Geschmack verändert.
Die Scharfstoffe werden auch für die gesundheitsrelevanten Eigenschaften des Ingwers verantwortlich gemacht. Zudem enthält Ingwer viele Vitamine wie z.B. Vitamin C, wobei die meisten Vitamine direkt unter der Schale sitzen. Daher sollte die Ingwerknolle (etwa 2-3 Gramm Ingwer pro Tasse Tee) idealerweise nicht geschält werden und daher auch ausschließlich Ingwer in Bio-Qualität für die Teezubereitung verwendet werden.
Zubereitungsempfehlung:
Der Ingwer sollte erst unmittelbar vor der Teezubereitung in möglichst viele kleine Stücke geschnitten werden, da sich die Scharfstoffe vor allem an den Schnittflächen entfalten. Der heiße Aufguss sollte fünf bis zehn Minuten ziehen. Zieht er länger, wird der Tee immer schärfer und mit der Zeit ungenießbar. Für den Aufguss kann kochendes Wasser verwendet werden, so lösen sich die meisten Scharfstoffe aus der Knolle.

Teemischungen: Verschiedene Heilpflanzen kombinieren
Mithilfe von sinnvollen Teemischungen können synergistische oder zusätzliche therapeutische Effekte erzielt werden und zudem Geschmack und Aussehen des Tees günstig beeinflusst werden.
Teemischung bei Erkältung ohne Fieber:
- 20 g Lindenblüten, 20 g Melissenblätter, 30g Holunderblüten, 5g Hagebuttenfrüchte
- jeweils ein Teelöffel pro Tasse als heißer Aufguss
- Ziehzeit ca. zehn Minuten
Teemischung bei fieberhaft grippalem Infekt:
- Holunderblüten, Lindenblüten, Mädesüßblüten und Thymian zu gleichen Teilen
- jeweils zwei Teelöffel pro Tasse als heißer Aufguss
- Ziehzeit ca. zehn Minuten
Teerezeptur bei trockenem Husten:
- Huflattich, Spitzwegerich und Thymian zu gleichen Teilen
- jeweils zwei Teelöffel pro Tasse als heißer Aufguss
- Ziehzeit ca. zehn Minuten
Alternativen: Medizinische Tees kaufen
Die richtige Heilteezubereitung ist eine wahre Kunst und kann je nach verwendeten Pflanzenteilen, enthaltenen Inhaltsstoffen, Zerkleinerungsgrad und auch der erwünschten Wirkung sehr variieren. Zur Not können medizinische Filterbeuteltees (aus der Apotheke), die den Richtlinien des Deutschen Arzneibuchs entsprechen, verwendet werden, wobei auch hier die Zubereitungs- und Einnahmehinweise unbedingt zu beachten sind, um die erwünschte Heilwirkung zu erzielen.
Filterbeuteltees der Lebensmittelindustrie weisen dagegen in der Regel einen Wirkstoffgehalt auf, der weit unter dem für Heilzwecke notwendigen Mindestgehalt liegt. Dies liegt u.a. auch daran, dass die verwendeten Kräuter bereits bei der Herstellung zerkleinert worden sind und in diesem Zustand wochen- oder sogar monatelang verbleiben, bevor der Tee tatsächlich zubereitet wird.
Kommen Sie gesund durch die kalte Jahreszeit!
Hinweis: Die bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Wissensvermittlung. Sie ersetzen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Therapie durch qualifiziertes Fachpersonal. Bitte wenden Sie sich bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen an Ihren Arzt bzw. Ihre Ärztin.
