Long-/Post-Covid Beobachtungsstudie
Ende 2021 startete unter der Leitung des Chefarztes und ärztlichen Direktors Robert Schmidt in Bezug auf das Long-/Post-Covid-Syndrom eine hausinterne Beobachtungsstudie. Hier finden Sie alle Infos zur Studie und den Ergebnissen.


Ziel der Studie
Das Ziel dieser Studie war die Evaluation der Effektivität unserer naturheilkundlichen Komplexbehandlung (mit und ohne mGKHTs). Insgesamt wurden bis Ende 2023 über 250 Long-/Post-Covid-Patientinnen und Patienten erfolgreich eingeschlossen, deren Gesundheitszustand bei Aufnahme ins KfN und dann einen, drei und sechs Monate nach Entlassung mit eigens entwickelten digitalen Fragebögen erhoben wurde.

Ort der Studie: Das Krankenhaus für Naturheilweisen
Das Krankenhaus für Naturheilweisen (KfN) wurde 1859 gegründet und ist seit 1883 ein Stiftungskrankenhaus. Seit 1968 befindet es sich am aktuellen Standort und verfügt über 110 Betten, davon 100 Planbetten der Stadt München. Es handelt sich um eine internistische Fachklinik mit einem Schwerpunkt auf integrative Medizin für chronisch kranke Patienten aus nahezu allen schulmedizinischen Fachdisziplinen. Das komplementärmedizinische Angebot umfasst v.a. die klassische Naturheilkunde nach Kneipp, ausleitende Verfahren, Homöopathie und Hyperthermie. Für die sog. moderate Ganzkörperhyperthermie (Körperkerntemperatur bis maximal 40,5°C) ist es das Zentrum mit den meisten Behandlungsplätzen im deutschsprachigen Raum.
Was ist das Long-/Post-Covid-Syndrom?
Das Long-/Post-Covid-Syndrom betrifft mehr als 6,5% der Coronaerkrankten und kann sogar auch, wenn auch relativ selten, nach einer Covid-Impfung auftreten. Vollständig Geimpfte erkranken nur etwa halb so oft an Long-/Post-Covid wie Ungeimpfte. Long-Covid wird definiert als Symptomkomplex, der länger als vier Wochen anhält, während Post-Covid-Symptome über zwölf Wochen hinaus bestehen. Diese Symptome können entweder während der akuten COVID-19-Erkrankung auftreten und persistieren oder in den ersten drei Monaten nach der akuten Phase der Erkrankung neu auftreten. Die Symptome können im Laufe eines Jahres sistieren, jedoch ist eine Chronifizierung häufig und die Langzeitprognose unklar. Ein schwerer Krankheitsverlauf und Vorerkrankungen sind Risikofaktoren für ein Post-Covid-Syndrom, aber auch zuvor gesunde Menschen können betroffen sein.
Die Symptome
Zu den Kernsymptomen gehören ausgeprägte Müdigkeit (Fatigue), Belastungsintoleranz, Luftnot, Brustschmerzen, Tachykardieneigung, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, kognitive Störungen, Brainfog, Dys-/Parästhesien, Haarausfall und Schlafstörungen. Etwa 50% der Post-Covid-Patienten erfüllen sogar die kanadischen (Diagnose-)Kriterien für CFS/ME, eine schwere Form der postviralen Fatigue. Die Erkrankten leiden aber nicht nur an den Symptomen selbst, sondern auch an der Wahrnehmung durch andere Menschen, die nicht an eine relevante Erkrankung glauben, sondern eher meinen, der Patient müsse sich einfach “zusammenreißen“.
Erklärungsmodelle und Therapieformen
Die vermuteten Erklärungsmodelle für das Long-/Post-Covid-Syndrom umfassen Viruspersistenz, anhaltende Autoimmunreaktionen, chronische Immundysregulation, postvirale Gewebeschädigung, vaskuläre oder autonome Dysregulation und hohe psychosoziale Belastung (z.B. durch die Pandemie an sich). Letztlich handelt es sich wohl um ein multifaktorielles Geschehen mit individuell unterschiedlicher Zusammensetzung der Auslöser. Daher wird es wahrscheinlich auch nie die eine Therapie geben, die allen Betroffenen gleichermaßen hilft, aktuell gibt es aber noch gar keine evidenzbasierten medikamentösen Therapieansätze. Die Behandlung konzentriert sich vielmehr auf ggf. nachgewiesene Organpathologien, das sog. Pacing (Belastungssteuerung), gesundheitsfördernde Lebensstilmodifikationen, Physio-, Atem- und Ergotherapie sowie psychotherapeutische Mitbehandlung bei psychischen Symptomen. Bei neurokognitiven Symptomen können auch Immunglobuline, Kortison oder Hämapherese im Rahmen individueller Heilversuche eingesetzt werden.
Beispiele einzelner Therapiebausteine im KfN
Ordnungstherapie
Die Ordnungstherapie/Mind-Body-Medizin im KfN zielt auf die Wechselwirkung zwischen Körper, Geist und Psyche ab. Sie fördert die Entwicklung gesundheitsfördernder Haltungen und Verhaltensweisen, Selbstfürsorge, Empathie, Selbstregulationsfähigkeiten, Stressbewältigung, Resilienz und kognitive Umstrukturierung.
Physikalische Therapie
Die physikalische Therapie umfasst Gruppen- und Einzeltherapien wie Tai-Chi, Qigong, progressive Muskelentspannung, Nordic Walking, Ergometertraining, Wirbelsäulengymnastik, Atemübungen, Hydrotherapie, reflektorische Bindegewebsmassage, Fußreflexzonentherapie, manuelle Therapie, Rotlicht, klassische Massage und Schwindeltraining.
Phytotherapie
Phytotherapeutisch nutzen wir im KfN bei Fatigue regelmäßig Ginseng und Gingko biloba zur Verbesserung der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit sowie zur Behandlung kognitiver Einschränkungen und Durchblutungsstörungen.
Moderate Ganzkörperhyperthermie
Eine besondere Therapieform im KfN ist die sog. Hyperthermiebehandlung oder auch Fiebertherapie. Generell umfasst diese verschiedene Temperaturbereiche, von der subklinischen milden Hyperthermie (37,5 – 38,5°C) über die moderate Ganzkörperhyperthermie (GKHT) (38,5°C – 40,5°C) bis hin zur extremen Hyperthermie (40,5 – 42°C), wobei wir letztere im KfN nicht durchführen.
Unser Ziel ist es in der Regel, den Temperaturbereich der moderaten GKHT zu erreichen. Die Behandlung erfolgt durch passive Wärmezufuhr, meist mit wassergefiltertem Infrarotlicht A oder auch in Form von sog. Überwärmungsbädern. Die Erwärmungsphase dauert maximal zwei Stunden, gefolgt von einer Hitzestauphase von etwa 30 Minuten.
Die Hyperthermiebehandlung führt zu einer Immunmodulation, Schmerzreduktion, Stoffwechselanregung, Stimulation regenerativer Prozesse und Muskelrelaxation. Daher kann sie auch bei Erschöpfungssyndromen wie Long-/Post-Covid hilfreich sein. Andere Indikationen sind beispielsweise chronisch entzündliche Erkrankungen (z.B. Rheuma, Asthma, usw.), Schmerzen aller Art (z.B. Fibromyalgiesyndrom), Tumorerkrankungen oder auch Infektanfälligkeit. In der Regel werden während eines stationären Aufenthalts zwei bis drei mGKHTs durchgeführt, mit Vor- und Nachbereitung sind die Patientinnen und Patienten dann durchaus einen ganzen Vor- oder Nachmittag beschäftigt.
Weitere Therapiebausteine
Weitere komplementärmedizinische Maßnahmen umfassen therapeutisches Fasten, mikrobiologische Darmbehandlung, pflanzliche Schmerzmittel, Einreibungen mit Schmerzöl (Aconit), Quarkwickel, Kohlwickel, Auflagen mit speziellen Pasten (Enelbin), Rapskernkneten, Zellenbäder/TENS, Schröpfen, Neuraltherapie und Blutegeltherapie.
Ablauf der Beobachtungsstudie
Bzgl. Long-/Post-Covid starteten wir im KfN Ende 2021 eine hausinterne Beobachtungsstudie, um die Effektivität unserer naturheilkundlichen Komplexbehandlung (mit und ohne mGKHTs) zu evaluieren. Insgesamt wurden bis Ende 2023 über 250 Long-/Post-Covid Patientinnen und Patienten erfolgreich eingeschlossen, deren Gesundheitszustand bei Aufnahme ins KfN und dann einen, drei und sechs Monate nach Entlassung mit einem eigens entwickelten digitalen Fragebogen erhoben wurde.
Abgefragt werden dabei die häufigsten Symptome bei Long-/Post-Covid anhand einer numerischen Rating-Skala und der Fatigue Severity Scale. Die Studie erhebt aber auch zahlreiche weitere Parameter, wie beispielsweise die Selbsteinschätzung der Lebensqualität oder des allgemeinen Gesundheitszustands, die Arbeitsfähigkeit, das Auftreten neuer Symptome im weiteren Verlauf oder auch, welche Therapien nach dem stationären Aufenthalt bei uns fortgeführt wurden.
Ergebnisse
Die Ergebnisse zeigen, dass unsere naturheilkundliche Komplexbehandlung den Verlauf der Erkrankung nachhaltig positiv beeinflusst und zur signifikanten Verbesserung des Gesundheitszustands, der Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität beiträgt.
Im Folgenden sollen einige Eckpunkte und Ergebnisse unserer Beobachtungsstudie grafisch bzw. tabellarisch dargestellt werden:







Fazit
Die naturheilkundliche Komplexbehandlung zeigt einen nachhaltigen, auch noch nach 6 Monaten nachweisbaren positiven Effekt auf die Ausprägung der Symptome und der Lebensqualität beim Long-/Post-Covid-Syndrom. Signifikanz besteht vor allem bei den Patientinnen und Patienten, die während ihres Aufenthalts im KfN moderate Ganzkörperhyperthermien erhalten haben. Diese scheinen bei Long-/Post-Covid-Syndrom die Behandlung mit dem mit Abstand größten positiven Effekt zu sein. Eine Überlastung durch die Hyperthermie mit resultierender postexertioneller Malaise (Crash) kann zwar nicht 100% ausgeschlossen werden, tritt aber bei der mGKHT nur sehr selten auf.

Sandra Pawlikowski, Pflegedirektorin KfN
Planung, Durchführung und Auswertung der Long-/Post-Covid-Studie

Robert Schmidt, Chefarzt und ärztlicher Direktor KfN
Autor und Leiter der Long-/Post-Covid-Studie
