Zum Hauptinhalt springen

Komplementäre Pflege im Krankenhaus für Naturheilweisen

Wickel und Auflagen, Aromapflege, rhythmische Einreibungen

Die Anwendung vieler naturheilkundlicher Pflegemethoden hat einen wirksamen und gesundheitsfördernden Einfluss auf die Gesundheit. Besonders hydrothermotherapeutische Anwendungen in Form von Wickeln, Auflagen und Kompressen stimulieren u. a. den Stoffwechsel oder aktivieren das Herz-Kreislauf-System nachweislich. Zusätzlich profitieren Patienten durch das hohe Maß an Zuwendung und Aufmerksamkeit. Pflegefachkräfte gehen besonders auf die Befindlichkeit der Patienten ein und vermitteln dadurch Vertrauen, Hoffnung und Annahme. Vor allem chronisch Erkrankte können Selbstpflegekompetenzen erlernen und einen neuen Umgang mit ihrer Erkrankung gewinnen.

Im Pflegealltag stehen uns zur ganzheitlichen Begleitung des Patienten zahlreiche Wickel, Umschläge, Kompressen, verschiedene Einreibungen sowie Anwendungen aus der Aromapflege zur Verfügung, die in Absprache mit dem behandelnden Arzt ausgewählt und angewendet werden.

Wickelanwendungen im KfN

Traditionell werden Wickel und Auflagen bei der Behandlung von akut und chronisch Erkrankten im KfN angewendet. Diese wirken beruhigend, ordnend, ableitend und anregend auf die Stoffwechselprozesse. Das Wirkspektrum erreicht die körperliche, wie auch die seelisch- geistige Ebene des Patienten. 

Unter einem Wickel wird das zirkuläre Anlegen eines oder mehrerer Wickeltücher um den ganzen Körper verstanden, als sogenannter Ganzköperwickel oder als Teilwickel, dann nur um bestimmte Körperteile. Es gibt unterschiedliche Arten von Wickel, wie z. B. feucht-heiße Wickel, warme oder kalte Wickel. Wenn Körperteile oder -areale nur einseitig bedeckt werden, spricht man hingegen von Auflagen oder Kompressen.

  • Trockene Wärme wird zur Entspannung und Entkrampfung eingesetzt.
  • Feucht-heiße Wickel fördern die Durchblutung und regen den Stoffwechsel an. Verschiedene Heilkräuter wie Ingwer, Kamille, Schafgarbe oder Zitrone können je nach Indikation zusätzlich eingesetzt werden. Ätherische Öle werden zumeist in Ölkompressen angewandt. Sie sind besonders für erschöpfte Patienten geeignet und wirken sehr wohltuend.
  • Kalte Wickelanwendungen können kühlend, entzündungshemmend, schmerzlindernd oder stoffwechselanregend wirken.

In den 70er Jahren gehörten Wickel und Auflagen noch selbstverständlich zum Wissen und Können einer Pflegefachkraft. Die moderne Entwicklung in der Medizin ließ jedoch die traditionellen Pflegemethoden beinah in Vergessenheit geraten. Erst in den 80er Jahren kehrten sie, zunächst als alternative Anwendungen, zurück. Die tatsächliche Anerkennung begann erst mit der zunehmenden Professionalisierung der Pflege und Pflegeforschung. In der naturheilkundlichen Pflege im KfN werden Wickel und Auflagen seit der Gründung durchgeführt. Die traditionellen Pflegemethoden werden ständig weiterentwickelt und in hausinternen Schulungen unterrichtet, damit unsere hohen Ansprüche erhalten bleiben und Qualitätssicherung gelingt. Wickel und Auflagen zählen zum Fundament unseres naturheilkundlichen Pflegerepertoires.

Historie der Wickel und Auflagen

Bereits aus der Steinzeit (ca. 4500 v.Chr.) gibt es Hinweise auf hydrothermische Anwendungen wie Schwitzbäder, die in Höhlen oder Zelten genommen wurden. Die Griechen der Antike und vor allem die Römer erweiterten ihre Anwendungen: neben den bekannten Thermen und Thermalbädern gab es schon feucht-temperierte Wickel, z. B. mit Kohlblättern. In Abwandlungen blieben diese Verfahren über die Jahrhunderte erhalten. Seit dem 19. Jahrhundert sind hydrothermische Verfahren vor allem mit den Namen zweier Personen verbunden: mit Vincenz Prießnitz und Sebastian Kneipp, dessen Lehre 2015 sogar von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde.

Aromapflege ergänzt Therapie

Die Aromapflege zählt zu den anerkannten komplementären Pflegemethoden. In der professionellen Anwendung werden aus 100% naturreinen ätherischen Ölen, fetten Pflanzenölen und Hydrolaten Aromapflegeprodukte entwickelt und in einer Dosierung von 0,1 bis 5% angewendet. Die Anwendungen in der Aromapflege erfolgen als Raumbeduftung, Ölauflagen & Wickel, Waschungen, zur Hautpflege sowie zu verschiedenen Einreibungen und Streichungen. Die fachgerechte Anwendung unserer Aromaöle dient dem Wohlfühlen, der Unterstützung von Maßnahmen und der Linderung von Symptomen.

Ätherische Öle haben aktivierende sowie hemmende Wirkungen. Sie vermitteln notwendige Impulse an brachliegende Ressourcen, die in unserem Organismus und unserer Gesamtpersönlichkeit vorhanden sind und bei Bedarf mobilisiert werden können. Unter anderem wird die Ausschüttung des Botenstoffes Serotonin („Glückshormon“) angeregt. Dieser trägt zur Entspannung des Organismus bei und senkt nachweislich den Stresspegel. Die Adrenalin-/Noradrenalin-Ausschüttung hingegen wirkt sympathikoton, dies führt zur Aktivierung des Körpers und des Geistes.

Die Aromapflege ist ein wertvoller Bestandteil in der naturheilkundlichen Pflege im Krankenhaus für Naturheilweisen. Besonders im Erleben von Krankheit ist das Bedürfnis nach Wohlbefinden elementar. Eine Anwendung mit ätherischen Ölen erfüllt dieses Bedürfnis. Jedoch sollte nochmal erwähnt sein, dass ätherische Öle hochwirksame Substanzen sind und für ihre Anwendung fachkundiges Wissen unerlässlich ist.

Der Begriff „aither“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet ‘‘Himmelsluft‘‘. Ätherische Öle sind leicht flüchtige, ölige sowie lipophile pflanzliche Extrakte, die teilweise aus über 400 Einzelbestandteilen bestehen, wie z.B. die Rose. Die charakteristischen Duftstoffe locken Insekten an oder schützen die Pflanze vor Austrocknung und Krankheiten.

Barbara K. Prinz, Naturheilkundliche Anwendungen in der Pflege, 1. Aufl., Springer Verlag 2021

Rhythmische Einreibungen nach Ita Wegman/Hauschka

Im Krankenhaus für Naturheilweisen sind seit einigen Jahren die Rhythmischen Einreibungen nach Ita Wegman/Hauschka eingeführt worden. Diese besondere anthroposophische Pflegemethode hat besonderen Anklang bei Patienten und Pflegenden im KfN gefunden.

Rhythmische Einreibungen unterstützen die Heilung, fördern eine regelmäßige, gleichmäßige Atmung, erreichen eine tiefe Entspannung, die z. B. in einen erholsamen Schlaf mündet. Es können sich auch innere Spannungen lösen wie Unruhe oder Ängste. Insgesamt fühlt sich der Patient leichter, der Körper wird besser durchblutet und erwärmt sich. Für die Einreibungen verwenden wir verschiedene Aromaölmischungen, wie z. B. das schmerzlindernde Öl oder das Öl gegen Erschöpfung.   

    Geschichte der ätherischen Öle

    Die frühen Spuren der ätherischen Öle führen ins 3. Jahrtausend v. Chr. zurück. Die Duftkultur spielte in Mythen, Sagen und Symbolen immer schon eine Rolle. Das erste schriftlich festgehaltene Destillationsgerät fand man im frühen Mesopotamien. Die anfänglichen Spuren reichen jedoch bis ins alte Ägypten zurück. Bereits vor 5.000 Jahren wurde Zedernöl zur Einbalsamierung von Toten und für die Hygiene verwendet. Die ätherischen Öle fanden Einzug in viele Lebensbereiche. Auch in Indien und China entwickelte sich eine separate Duftkultur. Im Ayurveda z. B. kannte man über 700 pflanzliche Stoffe. Die alten Griechen und Römer profitierten von dem Wissen der Ägypter und entwickelten es weiter. Aufgrund der Völkerwanderungen und den kriegerischen Auseinandersetzungen ging viel kostbares Wissen verloren. Erst gegen Ende des 9. Jahrhunderts brachten die Kreuzzüge das Wissen des Arztes Avicenna in unsere Kultur zurück. Dieses Wissen wurde zur Grundlage der abendländischen Heilkunde.